Handlungsbedarf

Um unser Handeln so wirksam und sinnvoll wie möglich zu gestalten, konzentrierten wir uns bei der Planung und Vorbereitung auf den bestehenden Handlungsbedarf.

Bei Betrachtung der zusammengetragenen Informationen, welche wir durch Medienberichte sowie Veröffentlichungen verschiedener Hilfsorganisationen sammeln konnten, sehen wir folgende Aspekte als besonders verbesserungswürdig an.

 

Allgemeiner Handlungsbedarf

Allem voran stehen der Schutz und die Wahrung der Menschenrechte und Menschenwürde, welche einem zu großen Teil der Geflüchteten verwehrt bleiben. Dementsprechend gilt es beispielsweise, menschenwürdigere Bedingungen innerhalb der Unterkünfte zu schaffen, die Unterbringung der Personen angemessen und auch die Alltagsstrukturen sinnvoll zu gestalten und an die Möglichkeiten der geflüchteten Menschen anzupassen. Auch der Zugang zu medizinischer Versorgung, sollte verstärkt in den Blick genommen werden, ebenso wie die finanziell kritische Lage der geflüchteten Menschen, welche oftmals ohne Hab und Gut in Europa ankommen.

Des Weiteren müssen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge besondere Beachtung erfahren, um sie besser vor Gewalt, Ausbeutung und Misshandlung schützen zu können. Auch die Informationsweitergabe an die Geflüchteten sollte transparenter und deutlicher erfolgen, um diese mit Wissen über ihre Rechte und Möglichkeiten zu stärken.

Insbesondere wäre eine gerechtere Schlüsselverteilung zwischen den europäischen Mitgliedsländern angebracht, um eine ausgewogene Aufteilung der Geflüchteten zu erreichen. Dadurch sollen nicht nur andere Staaten entlastet, sondern auch eine bessere Versorgung der geflüchteten Menschen erreicht werden.

Es ist noch anzumerken, dass die Bekämpfung der Fluchtursachen für uns ein wichtiger Punkt ist, damit eine langfristige Verbesserung der Lage in Afrika, dem Mittleren Osten und in anderen Teilen der Erde erreicht werden kann. Die stetige politische sowie ökonomische Einmischung westlicher Staaten und die Radikalisierung der verschiedenen religiösen Strömungen in diesen Regionen, welche häufig in Waffengewalt enden, sind nur einige von vielen Gründen. Ein Umdenken in der Politik sollte stattfinden, um diese Fluchtursachen einzudämmen. Darauf können wir im Rahmen des Projekts keinen Einfluss nehmen.

Wir sind uns zudem darüber im Klaren, dass die aufgezählten Aspekte zwar dringender Bearbeitung bedürfen, jedoch außerhalb unserer Handlungsmöglichkeiten liegen. Jedoch ergeben sich Orientierungspunkte, nach welchen wir die für uns tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten ableiten können.

 

Unser Handlungsbedarf

Grundsätzlich sind wir dazu fähig, Geflüchtete sowie Einsatzkräfte vor Ort für eine kurze Zeit zu unterstützen. Hierbei möchten wir betonen, dass es unsere Absicht ist, genau die Arbeiten zu verrichten, welche während unseres Aufenthalts anfallen und uns keinesfalls vor handwerklicher und körperlich anstrengender Arbeit scheuen. Wichtig ist uns, durch unser Handeln die Situation vor Ort sowie den Alltag der dort lebenden geflüchteten Menschen, so gut es uns möglich ist verbessern bzw. gestalten zu können. Hierbei möchten wir nach Möglichkeit unsere individuellen Fähigkeiten einbringen.

Sobald der Bedarf vor Ort genauer erschlossen wurde, besteht zudem die Option, benötigte Sachspenden aus Deutschland mit an die Einsatzorte zu bringen und dort weiterzugeben.

Auch möchten wir den Menschen auf Augenhöhe begegnen, diese wahrnehmen und kennenlernen und ihnen Respekt, Offenheit und Wertschätzung entgegenbringen. So soll es uns möglich sein, unseren Blickwinkel durch die Begegnungen zu erweitern und dann das Erlebte an Andere heranzutragen. Die Absicht ist hierbei, nicht nur zu informieren, sondern auch weitere Personen durch neue Denkanstöße zu mobilisieren.

Um die Reichweite des Projektes zu erhöhen, möchten wir durch die Weitergabe unserer Erfahrungen und Erlebnisse als Multiplikationsfaktor Andere zum Handeln anregen und über die Situation und die Zustände berichten, denen wir begegnen werden. Darüber hinaus wollen wir Interessierten und Spendern die Möglichkeit geben genau zu verfolgen, was wir auf der Fahrt tun. Um diese Erlebnisberichte so interessant, differenziert und professionell wie möglich zu gestalten, wird jedes Mitglied eine jeweils eigene Fragestellung zu einem gewählten Thema bearbeiten. So können wir erreichen, dass wir in den jeweiligen Themen Hintergrundwissen, aus unserem Studium oder durch Recherchen, einbringen werden. Zudem stellen wir sicher, dass wir sechs unterschiedliche Themen und damit Perspektiven anbieten werden. Nach unserer Rückkehr nach Deutschland wollen wir außerdem Vorträge und Themenabende zu unseren Erlebnissen veranstalten.

Wir sind uns darüber bewusst, dass wir eine Großzahl an Aspekten der bestehenden Problematik nicht bewältigen können und unsere Arbeit vor Ort nicht die grundlegenden Fluchtursachen bekämpft. Dennoch hoffen wir, durch realistische Arbeit zumindest ein Zeichen der Menschlichkeit zu setzen und Solidarität zu vermitteln. Wir sind überzeugt davon, dass auch kleine Gesten etwas bewirken können und hoffen, Andere dazu zu inspirieren, sich dieser Idee anzuschließen und ebenfalls aktiv zu werden.