Die Kraft des Sports

Von Johannes Kobras

Sport war und ist für mich schon immer eine große Konstante in meinem Leben gewesen. Bereits als 6-Jähriger habe ich begonnen in einem Verein Fußball zu spielen. Doch schon damals wollte ich mich nicht auf eine bestimmte Sportart festlegen, sodass ich im Laufe der Zeit Leichtathletik, Handball, Basketball, Volleyball und Fußball im Verein ausprobiert habe. Während ich die meisten Sportarten irgendwann „nur“ noch in Freizeitgruppen ausgeübt habe, bin ich noch immer in einem Fußballverein aktiv. Auch hier in Coburg habe ich seit fünf Jahren einen kleinen Verein, in dem ich selber immer mal wieder gegen den Ball trete. Doch egal in welcher Sportart, der Spaß, in einer Gemeinschaft aktiv zu werden, stand für mich immer im Vordergrund.

Während unserer Projektfahrt mit dem FEEL-Effect in Griechenland bei Habibi.Works und in Thessaloniki durfte ich erstmals so richtig bewusst die verbindende Wirkung des Sports erleben. Denn egal ob beim gemeinsamen Fußball, Tischtennis, Volleyball oder Gewichtheben, der Sport im Allgemeinen entfaltete seine unglaubliche Wirkung auf mich und die anderen Sportler*innen. Denn im Sport besteht die Möglichkeit, sich gemeinsamen Aktivitäten zu widmen, ohne dass man diesselbe Sprache spricht. So wurden sportliche Aktivitäten während meiner Zeit in Griechenland ganz häufig der Türöffner für eine gute Beziehung zu fliehenden Menschen, egal ob wir uns sprachlich verständigen konnten oder nicht. Durch das gemeinsame Sporttreiben entstand ganz häufig eine gemeinsame Vertrauensbasis, wodurch ich mit den Menschen auch außerhalb von sportlichen Aktivitäten eine Beziehung aufbauen konnte. Natürlich ist der Sport nur eine von vielen wunderbaren Möglichkeiten für die Kontaktaufnahme mit „fremden“ Menschen. Gemeinsames Kochen, Musizieren, Handwerken und noch Vieles mehr können ebenso ihre verbindende Wirkung entfalten. Für mich persönlich ist eben der Sport schon immer etwas gewesen, in dem ich selbst sehr aufgehe. Sobald ich also Menschen treffe, auf die der Sport eine ähnliche Wirkung hat, ist die erste Brücke, um aufeinander zuzugehen, bereits erbaut. Nun steht es in meiner Verantwortung diese Brücke auch zu nutzen und zu überschreiten. In Griechenland konnte ich dies erstmals bewusst wahrnehmen und umsetzen.

Zurück in Deutschland stand für mich meine Bachelorarbeit auf dem Programm. In Griechenland hatte ich mich bereits von meinem bisherigen Thema, Menschenrechtsverletzungen an den EU-Außengrenzen, entfernt. Ich wollte in meiner Bachelorarbeit unbedingt einen praktischen Teil haben und keine reine Theoriearbeit schreiben. So wechselte ich nochmals den Dozenten und das Thema. Wobei ich mir sehr lange gar nicht sicher war, was mein Thema denn so genau sein sollte. Nachdem bereits fast die Hälfte meiner viermonatigen Bearbeitungszeit der Bachelorarbeit ohne große Fortschritte verstrichen war, kam der entscheidende Hinweis meines Dozenten: „Schaffe ein Setting, indem sich die Teilnehmer*innen auf Augenhöhe begegnen können und es keine Stigmatisierung nach Helfenden (Deutsche) und Hilfebedürftigen (Migrant*innen/Geflüchtete) gibt“.

Ich persönlich glaube, dass dies das tatsächliche Rezept bei der Inklusion von Migrant*innen in unsere Aufnahmegesellschaft sein wird. Natürlich war es toll und bemerkenswert, als 2015 eine riesige Hilfsbereitschaft in Deutschland ausgebrochen ist, um geflüchtete Menschen zu unterstützen. Jedoch sind für die Inklusion in eine Gesellschaft mehr nötig als Sachspenden und Essensausgaben, wobei ich dies aber auf keinen Fall klein reden möchte! Für eine gelingende Inklusion ist es wichtig, dass Migrant*innen unsere Sprache lernen, einen Job finden und soziale Kontakte zu Menschen aufbauen, die schon länger in Deutschland leben. Sie sollen sich selbst wieder als wirksam und verantwortlich für ihren Alltag erleben. Das entgegennehmen von Spenden und Almosen ist für viele Menschen nach einer gewissen Zeit nicht mehr das, was sie glücklich macht und ihnen das Gefühl gibt in einem neuen Leben anzukommen. Stattdessen wollen sie viel lieber selbst arbeiten, sich integrieren und hier ein neues Leben aufbauen.

Ich glaube, dass der Sport für die Inklusion von Migranten in unsere Gesellschaft eine wunderbare Methode darstellen kann. Über den Sport können sich Menschen kennenlernen, haben gemeinsam Spaß und sofort ein verbindendes Thema. Außerdem gibt es beim Sport keinen Helfenden und keinen, dem geholfen wird. Die Menschen begegnen sich hier auf Augenhöhe, ohne das Label „Flüchtling“ oder „Deutscher“. Über die Bekanntschaft zu Deutschsprachigen können Migrant*innen die deutsche Sprache wesentlich einfacher erlernen und die sozialen Kontakte helfen auch Anschluss zum lokalen Sozialleben im Wohnort zu bekommen.

Aus diesem Grund habe ich mich entschieden meine eigene Leidenschaft mit meiner Bachelorarbeit zu verbinden und schreibe gerade an einem Konzept für ein inklusives Fußballturnier. Das Turnier selbst durfte ich mit Hilfe des Kinder- und Jugendzentrums Wüstenahorn und dank der finanziellen Unterstützung von FEXRADLT (ein wundervolles Projekt, das ihr euch hier etwas anschauen könnt: https://fexradlt.de/) bereits am 27. Juli in Wüstenahorn, ein Stadtteil von Coburg, durchführen.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht, war dies ein wunderbarer Erfolg. Mit rund 60 Teilnehmer*innen wurde das Turnier super angenommen. Die daraus resultierenden sieben Teams waren bunt gemischt und schenkten sich auf dem gewöhnungsbedürftigen Untergrund nichts. Neben dem Platz wurde gegrillt, gechillt und gemeinsam zu der Musik von Jannis und Ali gefeiert, die mit entspannter Elektromusik für die musikalische Begleitung des Turniers sorgten. Vielen Dank auch hierfür nochmals!

 

2018.08. 27 Fußballtunier in Wüstenahorn (160)

 

Die Sieger des Turniers waren am Ende ein Team namens AFG (Afghanistan), die sich in einem umkämpften Finale gegen die „Sieger der Herzen“ (der tatsächliche Teamname!) durchsetzten. Freuen durften sich am Ende aber alle Teilnehmer*innen über eine Eintrittskarte zum „Festival contre le racisme“, welches vom Alternative Kultur e.V. Coburg organisiert und im Oktober stattfinden wird.

Doch da manchmal Bilder wesentlich mehr Aussagekraft haben, als viele Wörter, werde ich euch zum Abschluss einfach noch ein paar schöne Impressionen des Turniers zeigen! Viel Spaß beim Durchstöbern.