beyond forgetting

Wir durften bei einem tollen Projekt „beyond forgetting“ der Produktdesigner*innen in Coburg teilnehmen und möchten euch heute von unseren Eindrücken berichten.

Ende letzten Jahres hat ein Dozent des Studiengangs Integriertes Produktdesign (IP), Professor Dr. Gerhard Kampe, bei uns angefragt, ob wir Zeit und Lust hätten, einen Workshop in seinem Seminar zu halten. Er plante ein internationales sowie interdisziplinäres Projekt im Sommersemester 2018 mit verschiedenen Künstler*innen sowie einer Gruppe von Studierenden des 6. Semesters IP. Ziel des Seminares ist die Betrachtung von Verfolgung, Exil, Erinnerung und Vertreibung/Flucht im Vergleich 1938 (Reichspogromnacht) und heute.

Da wir seit der Gründung des F.E.E.L.-Effects unter anderem das Ziel verfolgen, über unsere Erlebnisse und Erfahrungen zu berichten und so für das Thema Flucht zu sensibilisieren haben wir uns im Januar dazu entschieden, den Workshop zu halten. Wie genau der Projekttag ablaufen sollte, wussten wir bis dahin noch nicht. Wir setzten uns daher in den folgenden Monaten zusammen, um herauszufinden, was wir mit den Studierenden machen wollten. Unsere Aufgabe war es, eine aktuelle Perspektive der Themen Flucht und Asyl zu geben und theoretischen Input sowie persönliche Erfahrungen weiterzugeben. Schnell haben wir uns dazu entschieden nicht alleine den Workshop leiten zu wollen. Uns war es wichtig unterschiedliche Aspekte mit einfließen zu lassen und daher auch verschiedene Stimmen zu hören. So haben wir neben Menschen die sich in Coburg für Geflüchtete engagieren (sei es in Wohngruppen oder durch ehrenamtliches Engagement) auch zwei Geflüchtete eingeladen, um uns zu unterstützen.

Ende Mai haben wir dann unseren Workshop in den Räumlichkeiten von „Making Culture“ in Coburg gehalten und gemeinsam mit den Studierenden einen gesamten Tag verbracht.

Wir haben uns auf eine exemplarische Route begeben und sind den Weg von Syrien nach Deutschland thematisch durchlaufen. Zu Beginn berichtete ein Geflüchteter aus Coburg – Mohammed – von seinem Weg von Syrien nach Griechenland. Sehr anschaulich und ergreifend stellte er die verschiedenen Etappen seines Fluchtweges vor. Im Anschluss berichteten wir von unserer Fahrt – den Problemen in Griechenland und auf dem Balkan, aber auch von den schönen Projekten, in denen wir mitarbeiten durften. Abschließend haben wir noch – gemeinsam mit drei hauptamtlichen Mitarbeiter*innen, die Geflüchtete betreuen, einem Geflüchteten aus Afghanistan sowie Sabine (Schmetterlingseffekt, Kochen für Weltbürger) – einen Blick auf die Situation in Coburg geworfen.

Die Studierenden sollten dann im Anschluss eigene Projekte entwickeln und das Gelernte kreativ umsetzen. Auffallend war, dass noch niemand im Kurs, zum Zeitpunkt unseres Workshops, wusste, was das Ergebnis der Arbeit sein wird. Eine Studierende erzählte davon, dass sie immer lernen würden, wie etwas besonders schön und ansprechend gestaltet werden kann. Der Ansatz sei stets zu versuchen etwas zu designen, was gefallen und gekauft werden soll. Dass das bei den Themen Flucht und Vertreibung nicht möglich ist, bringe eine ganz neue Aufgabe und Herangehensweise hervor.

Für uns war es eine ganz neue Erfahrung einen eigenen Workshop zu organisieren und durchzuführen. Selbstverständlich gibt es ein paar Dinge, die wir beim nächsten Mal verändern würden, im Großen und Ganzen sind wir jedoch glücklich darüber, teilgenommen zu haben. Neben der fachlichen Erfahrung des Workshops, war es für uns auch spannend mit einer ganz neuen Gruppe zusammen zu arbeiten, die Ansätze der Designer*innen kennenzulernen und mit ihnen in den Austausch zu kommen.

Am letzten Samstag (28. Juli) fand das große Abschlusssymposium im Coburger Güterbahnhof statt. Referent*innen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Hintergründen berichteten von ihren Arbeiten und Projekten. Auch die Studierenden stellten ihre – wirklich tollen und beeindruckenden – Arbeiten vor. Eine Gruppe beispielsweise befragte Menschen zu sechs verschiedenen Themen (z.B. „Was ist Deine größte Angst?“) und arbeiteten heraus, dass jeder Mensch Angst – aber auch einen Traum hat. Andere entwickelten eine App zu Freizeitverabredung anhand von Bildern, um eine mögliche Sprachbarriere zu umgehen. Eine weitere Gruppe baute eine Treppe, mit Hilfe derer es möglich ist, in Hauszwischenräume zu blicken. In einen der Zwischenräume bauten die Studentinnen einen mit Gravuren beschrieben Grabstein: Zahl 1) Die ermordeten Juden im dritten Reich – Zahl 2) Die Anzahl an Flüchtenden, welche bislang im Mittelmeer ertranken und deren Körper gefunden wurden. Gemeinsam haben alle Arbeiten, dass sie wachrütteln wollen – für die Thematik sensibilisieren und ein gestalterisches Augenmerkt auf Flucht, Vertreibung und Asyl richten. Auch wir durften im Rahmen des Symposiums einen kleinen Vortrag halten. Das erste Mal auf Englisch haben wir einen Blick auf die Situation der Menschen in Griechenland geworfen und das Projekt Habibi.Works vorgestellt. Auch dabei war Mohammed, der auch hier über seine eigene Flucht gesprochen hat.

Wenn ihr mehr über das Projekt erfahren wollt, schaut gerne auf der Homepage vorbei:
www.beyond-forgetting.de.