Mein Weg in den F.E.E.L.-Effect 

von Luis Wunder

Luis

Hintergrund

Meine Geschichte ist so klischeebehaftet, wie sie nur sein könnte. Ein Studium des Maschinenbaus an der Hochschule Coburg mit dem Masterstudium „Entwicklung und Management im Maschinen- und Automobilbau“ im Anschluss. Während des Studiums hatte ich viel und sehr netten Kontakt mit anderen technischen Studiengängen und pflege diese Kontakte auch immer noch. Nur zu anderen Studiengängen, besonders aus der Fakultät der Sozialen Arbeit und Gesundheit, schaffte ich nie wirklich Kontakte zu knüpfen. Ich meine jedoch nicht alleine mit dieser Tatsache konfrontiert zu sein. Es scheint mir in dieser Hochschule wie ein stiller Kampf zwischen verschiedenen Fronten zu sein. Ein Kreislauf der gegenseitig fehlenden Akzeptanz und Abkapselung der einzelnen Fakultäten und keiner der Seiten traut sich die ihm bekannte Welt zu verlassen.

Vorgeschichte

Im Studium ist man im Allgemeinen Stress gewohnt, deswegen möchte ich hier auch nicht von Anfang an beginnen. Viel interessanter ist mein letztes Semester, das Wintersemester 17/18. Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich die Ehre gehabt ein Thema der Firma ebm-papst GmbH & Co. KG. aus deren Forschungs- und Entwicklungsabteilung zu bearbeiten. Eine Arbeit die mich emotional sehr erfüllte und in welche ich auch entsprechend viel Zeit und Liebe investierte. Neben der eigentlichen Masterarbeit kamen dann auch noch andere Projekte, die meine Aufmerksamkeit forderten. Zusätzlich sollte das vierte Semester mein letztes sein, also musste ich mich nebenbei noch bewerben. Auch wenn ich bei allen meinen Arbeiten sehr viel Spaß hatte, stieg das Stresslevel in diesem Semester doch auf ein ungeahntes Ausmaß an. Gegen Ende des Semesters fiel dann plötzlich dieser enorme Arbeitsstress ab, zusätzlich musste ich bei einigen aussichtsreichen Stellen, auf die ich mich beworben hatte, Absagen kassieren und noch einige andere zwischenmenschliche Unannehmlichkeiten durchleben. Ich fiel in ein emotionales Loch und aufgrund dieser Erlebnisse habe ich angefangen das gesellschaftliche Verhalten von Menschen zu überdenken. Was sind überhaupt gesellschaftliche Interaktionen? Ist das Verlangen nach Toleranz und Akzeptanz nur ein egoistisches Mittel, um seine eigenen Interessen und Meinungen auf die Gesellschaft zu reflektieren? Die wichtigste Frage kam jedoch zum Schluss, da sie mich persönlich sehr stark betroffen hat: Bin ich offen und informiert genug, um über andere Menschen eine Meinung zu haben und woher beziehe ich meine Informationen? Schnell wurde mir klar, dass ich entweder eine schnelle oder oberflächliche Meinung, meist von Dritten, über andere Menschen hatte. Die Erkennt-nis meiner Gefangenschaft, und sicherlich auch anderer Menschen, in ihrer eigenen Welt machte mich persönlich sehr traurig. Meine Folgerung aus dieser Gegebenheit war eine steigende Spaltung der Gesellschaft, durch Diversität und Polarisierung, mit dem Ursprung aus einer unausgereiften Meinungsbildung. Mir war schnell klar, dass etwas dagegen unternommen werden muss und so wollte ich zuerst etwas bei mir selbst ändern. Nur wo sollte ich anfangen?

Mein Weg in den „F.E.E.L.-Effect“

Auslöser war eine Einladung zu einem Treffen per Hochschulrundmail. Mir waren die Themen bewusst, welche mir ein ungutes Gefühl im Magen bereiteten und so wollte ich mich selbst mit einem solchen konfrontieren. Das Thema der Flüchtlingskrise gehörte zu diesem Themenkreis. Durch meine Vorgeschichte war mir schon bewusst, dass der Weg in eine bessere Gesellschaft zum einen nur über eine vielseitige Meinungsbildung und zum anderen nur über das Bemühen zu einer besseren zwischenmenschlichen Interaktion stattfinden kann. Also kurz gesagt: Ich bin zum Treffen erschienen, um zuerst die Menschen, welche den Geflüchteten helfen, kennenzulernen. Dabei war ich ehrlich gesagt sehr überrascht dort Personen aufzufinden, die völlig normal wirkten und ich sie sogar zu mögen schien. So war meine Entscheidung im nächsten Schritt klar. Ich wollte den eigentlich Betroffenen helfen. Zum einen sollte dies dazu dienen die Welt zu einem annehmbareren Platz zu gestalten und zum anderen wollte ich mir natürlich eine möglichst direkte Meinung über diese Menschen bilden. Schnell wurde aber innerhalb der kürzlich gegründeten studentischen Initiative klar, dass die damals existierende Struktur nur eine sekundäre Organisation beinhaltete und viele Schritte auf intuitiver Basis vollzogen wurden. Da ich mir im Laufe meines Studiums sehr viele strukturierte Arbeitsweisen angeeignet hatte, war ersichtlich vorerst meine Fähigkeit in die Organisation der studentischen Initiative einzubringen. Momentan diskutieren wir gemeinsam Konzepte aus, welche den Mitgliedern der studentischen Initiative eine schnelle Vermittlung zu hilfsbedürftigen Menschen ermöglichen soll. Auch arbeite ich daran die einzelnen Arbeitsbereiche innerhalb der Organisation sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Da im Moment noch viel Planungsarbeit ansteht, helfe ich nebenbei auch privat Geflüchteten der deutschen Sprache mächtig zu werden. Wie aus meinem Fall zu entnehmen ist, kann jeder mit seinen Fähigkeiten dazu beitragen, Menschen zu helfen und der F.E.E.L.-Effect freut sich über jedes neue Mitglied innerhalb der Organisation, damit hilfsbedürftige Menschen in Zukunft noch besser unterstützt werden können.