Die Geschichte einer Familie

*Nachtrag zu unserer Zeit bei Habibi.Works*

Im ersten Blogeintrag zum Themengebiet „Kinder“ wurde über die UN-Kinderrechtskonvention berichtet. Anschließend daran erfolgt heute ein kurzer Bericht über eine geflüchtete Familie in Griechenland.

Vor ein paar Wochen kam eine verzweifelte Familie mit Kindern im Alter von drei und fünf Jahren zu Habibi.Works, da sie keine Papiere hatte und somit illegal in Griechenland lebte. Menschen ohne Papiere müssen sich bei der Polizei registrieren lassen – im Anschluss überprüfen die Beamt*innen, ob die Person bereits in einer anderen griechischen Polizeistation gemeldet ist. Da dies teilweise viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt und es zudem so erscheint als sähen die Polizist*innen diese Aufgabe als eher unwichtig an, müssen die Menschen oft sehr lange auf die Überprüfung der persönlichen Daten warten. Auch die Familie versuchte Papiere und Asyl bei der Polizei zu beantragen. Leider wurde ihr Anliegen jedoch nicht weiter bearbeitet sondern die Familie lediglich vor die Tür gesetzt und weg geschickt. Bevor die Familie zu Habibi.Works gelangte, musste sie drei Nächte auf Ioanninas Straßen schlafen.

Nach einer erneuten Vorstellung bei der Polizei und der Unterstützung von Anwält*innen, dauerte die Überprüfung des Antrags durch die Polizei über Nacht. Aufgrund dessen kam die Familie – inklusive Kinder (!!) für eine Nacht ins Gefängnis. Gemäß der UN-Kinderrechtskonvention, der auch Griechenland angehört, ist dies nach Artikel 37b jedoch rechtswidrig:

Artikel 37
Die Vertragsstaaten stellen sicher,

a        …

b      daß keinem Kind die Freiheit rechtswidrig oder willkürlich entzogen wird. Festnahme, Freiheitsentziehung oder Freiheitsstrafe darf bei einem Kind im Einklang mit dem Gesetz nur als letztes Mittel und für die kürzeste angemessene Zeit angewendet werden;

Insbesondere der Zusatz „als letztes Mittel“ lässt deutlich darauf hindeuten, dass im Falle fehlender Papiere auch andere Wege möglich wären. Die Unterbringung in einem Gemeinschaftsschlafraum oder einer Wohnung über Nacht, ein schnellerer Datenabgleich oder ein erneuter Termin im Anschluss an den Datenabgleich wären mögliche Alternativen, die eine Inhaftierung verhindern könnten.

Die Tatsache, dass die Familie am nächsten Tag bereits wieder aus der Haft entlassen wurde, ist dem Umstand geschuldet, dass Freiwillige und Mitglieder mehrerer Organisationen sich intensiv für diesen Fall und für die Bereitstellung rechtlichen Beistands eingesetzt hatten. Menschen, die zum Zwecke der Registrierung unter Arrest gestellt werden, verbringen mitunter Wochen oder gar Monate im Gefängnis, viele von ihnen ohne Informationen zu ihrer Situation und ohne psychologische, medizinische oder rechtliche Betreuung.

Leider handelt es sich hierbei nicht um ein Einzelschicksal:

In der Hafenstadt Igoumenitsa sind, dem UNHCR Officier Ioannina zufolge, neun Kinder bereits seit vier Wochen in einem „Verließ“ eingesperrt. Ihnen steht nicht einmal eine Dusche zur Verfügung (vgl. Habibi.Works, Newsletter: http://us1.campaign-archive1.com/?u=61abf51ebd9768c11528df95d&id=4599bd8030).

Eure Laura